Das Ende von „Stell dich doch nicht so an!“- Warum es völlig okay ist, nicht „easy“ zu sein

Als ich heute Morgen vom Frühstück in mein Holz-Hüttchen zurück komme, liegen meine Kleider auf dem Bett zerstreut und ein Stuhl fehlt. Ich fühle mich irritiert und verunsichert. Jemand ist, ohne mich zu fragen in meinen Raum gekommen und hat etwas darin verändert. Ich spüre, wie mich das wütend macht und ich das Gefühl habe, dass meine Grenzen übergangen wurden. Was meine eigenen Räume angeht, reagiere ich äußerst sensitiv, die brauche ich unbedingt sicher für mich.

Gleichzeitig sagt eine Stimme, dass das doch keine große Sache ist. Ich muss mich ja nicht so anstellen, ist doch wieder nur mein altes Zeugs und darum muss ich mich doch selbst kümmern, anstatt andere Menschen damit zu belästigen.

Ich kenne diese beschwichtigende Stimme sehr gut. Sie vermag es, dass ich innerlich verschwimme und meine Erdung und Klarheit verliere.

Sie ist es, die mich jahrelang zum Schweigen gebracht hat. Sie hat mich jahrelang dazu gebracht, dass ich der Harmonie zuliebe meine Wut in mich reingefressen habe (und tatsächlich auch zu viel „gegessen“ habe, um sie auszuhalten). Sie hat die Bedürfnisse der Anderen stets über meine eigenen gestellt. Ich habe mich selbst viele Male übergangen, weil ich oft nicht wusste, ob meine Wahrnehmungen richtig oder falsch sind- und, weil ich auf keinen Fall kompliziert sein wollte. Meine Überlebensstrategie als Kind war es, mich nach den emotionalen Bedürfnissen meiner Eltern auszurichten und zu versuchen, lustig, lieb und unkompliziert zu sein.

Ich bin längst kein Kind mehr, doch diese Strategie habe ich aufrecht erhalten- und dafür einen hohen Preis gezahlt.

Jenen Preis nämlich, dass ich echt Nähe für eine scheinbare Harmonie oft vermieden habe, dass ich meinen eigenen Selbstwert untergraben habe und mich in die Unabhängigkeit geflüchtet habe.

Nun zurück zu der Geschichte vom Anfang: Heute morgen habe ich nicht auf diese beschwichtigende Stimme gehört und habe stattdessen gefragt, wer in meinem Hüttchen war und, geäußert, dass mich das irritiert und ich das nicht mag. Die zuständige Person hat mir die Situation erklärt und sich dafür entschuldigt. Kein Drama, ein kurzer Austausch und die Angelegenheit war in Frieden. Ich habe mich geoutet als „komplizierte Hochsensible“- und das ist vollkommen okay so. Der Witz ist ja, versuche ich meine Bedürfnisse hinunter zu schlucken, werde ich erst recht kompliziert. Dann lächele ich nämlich fröhlich weiter und gehe passiv-aggressiv meterweit auf Abstand. Dieses Muster kenne ich zu gut- und es langweilt mich.

Neue Wege zu gehen, befreit, macht das Leben lebendig und stärkt das eigene Selbstvertrauen nachhaltig.

In diesem Sinne wünsche auch ich dir den Mut, dir selbst zu trauen, dich auszudrücken und all die kleinen feinen Übungen des Alltags zu nutzen, in deine Größe zu kommen.

Von Herzen

Deine Susanne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s