Meine Auszeit auf La Palma: Transformative Zeit und tiefer Neubeginn

Die letzte Woche war ich im Osten von La Palma. Hier ist es grün, aber auch oft wolkenbehangen, die Sonne kommt nur spärlich durch in dieser Zeit. In meinem Zimmer ist es frostig, das Haus ist alt und aus der Dusche kommt nur kaltes Wasser. Nach dem Duschen schlüpfe ich bibbernd mit der Wärmflasche unter die Bettdecke und betrache misstrauisch die Fliegen, die sich zu Haufe in meinem Zimmer tummeln. Ich denke mir, das ist gut, um mich abzuhärten, genügsamer zu werden, doch mögen tue ich es nicht.

Eine Belgierin Ende 50 lebt hier, noch ganz frisch, erst seit diesem Frühling. Sie hat einen erlesenen Geschmack, das Haus hat Stil, abends klingt Jazz durch das Haus, eine intellektuelle Frau. An der Oberfläche haben wir Schnittpunkte, in der Tiefe verbindet uns nur wenig.

Der Deal hier, ist, dass ich umsonst im Haus wohne und dafür im Garten arbeite. Morgens reiße ich leidenschaftlich Grasbüschel und Sträucher aus der Erde, mit ihnen die Wut, die noch in mir ist und der ich (endlich) immer mehr erlaube, durch mich zu sprudeln. 

Das viele allein sein macht mir zu schaffen, ich liebe Rückzug und Alleinzeit, doch hier übersteigt es einen Peak. Ich treffe einen Freund, er sagt, ja, er empfinde es auch so, dieser Ort hier hat etwas Schwermütiges. Der Austausch bringt mich wieder in Schwung, nährt mich, Begegnungen machen mir einfach Freude. 

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Die viele Zeit und Abgeschiedenheit in Verbindung mit der intensiven und transformativen Zeitqualität des Novembers lassen meine Beziehungsmuster aus dem Inneren an die Oberfläche sprudeln.

Der „Ich mache mich klein gegen Sicherheit“- Deal

Mir werden die Situationen und Beziehungen bewusst, in denen ich aus Hoffnung auf ein bisschen Sicherheit und Geborgenheit, meine Macht und Selbstverantwortung abgegeben habe. In denen ich mich nicht getraut habe, meine Bedürfnisse, ja mich selbst in die Waagschale zu werfen, aus Angst, dann zu viel zu sein. In denen ich mich bemüht habe, es „Recht zu machen“, stets versucht mich von meiner unkompliziertesten, und nettesten Seite zu zeigen.

Ich merke immer mehr: „Lebenskraft gegen Sicherheit“ ist ein schlechter Deal. Mich kleinzumachen, für einen kurzen Moment des gesehen Werdens untergräbt meinen Selbstwert und lässt mich schwach und traurig werden. Erfahrungsfelder hierzu gab es genug in meinem Leben: Arbeitsplätze, Partnerschaften, Freundschaften, die Familie, natürlich, ja sogar in einer Therapeutenbeziehung, habe ich diese Erfahrung gemacht. Die Strukturen und Traumata der Kindheit wiederholen sich eben so lange, bis wir die Lektion gelernt haben.

Dabei geht es hier nicht um Schuld, um Täter oder Opfer, wir alle tragen dieselbe Verantwortung für uns inne. Wenn wir immer wieder in „Opfer“-Rollen hinein rutschen, gilt es zu erkennen: „Was in mir stellt sich hierfür zur Verfügung? Woher kenne ich diese Erfahrung?“ und dann konsequent den Weg der Heilung zu gehen.

Schritte der Heilung:

  • Das Durchfühlen der alten Gefühle von Ohnmacht, unterdrückter Wut, Traurigkeit, Unsicherheit
  • ein Erlernen von innerer und äußerer Selbstfürsorge
  • das Stärken des eigenen Selbstwerts durch das Ernst nehmen der eigenen Empfindungen, Bedürfnisse und ein mehr und mehr danach Handeln

Ich für mich spüre: Ich bin diese Straße nun oft genug erfahren, ich kenne jede Abbiegung, nun darf es gut sein, es ist Zeit für einen neuen Weg.

Wie persönliches und kollektiv (weibliches) Trauma ineinanderfließen

Dieses Muster ist ein persönliches Thema und gleichzeitig ist es auch ein kollektiv weibliches Trauma: sich anpassen, kleinmachen, stillhalten, nicht ernst genommen zu werden, die eigenen Bedürfnisse zurückstecken, um da sein zu dürfen und einen Mann zu „bekommen“, der einen versorgt. Die Zeiten, in denen das wirklich real war, sind noch nicht lange her.

So fließen das Persönliche und das Kollektive ineinander:

Mit der eigenen Heilung beginnt es und jede Frau, die sich selbst befreit, wirkt auf das kollektive Feld ein und unterstützt andere Frauen dabei, sich ebenfalls von diesen Verstrickungen und Verdrehungen zu befreien.

Dieses „Ich bin da rausgekommen und du schaffst es auch!“ auf einer wirklich unterstützenden, liebevollen Ebene braucht es so dringend und noch viel mehr und ich spüre, wie sehr es mich ruft, auf diese Art und Weise zu wirken und Räume zu eröffnen.

Heute dann scheint die Sonne am Morgen über dem Meer, endlich. Kaffee und Schreibbuch, Sonne im Gesicht, der Himmel, der mich umspannt. Darin liegt so viel Zuversicht, die ich oft vermisst habe, in meinem Leben. Darin liegt eine Art von Geborgenheit, die sich in mir wurzelt, sich mit dem Kosmos verbindet und mich umspannt. Die mir die Freiheit gibt, auf Risiko zu gehen und wirklich ich selbst zu sein. 

Und wieder einmal merke ich: Neue Wege auszuprobieren sind unbequem, können Angst machen, doch sie sind eben auch spannend und innerlich weitet sich der innere Spiel-Raum, der wiederum neue glücksbringende Erfahrungen einladen kann.

In diesem Sinne: Sei von Herzen umarmt!

Deine 

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