Wie viel alte Heimat tut gut? So entwickelst du einen heilsamen Umgang mit deiner Familie

Ich habe die letzten Tage in Süddeutschland verbracht, in meiner alten Heimat. Es gibt vieles dort, was ich mag: das satte Grün der Hügel, die Fülle des Lebensstils, die braunen Kühe, die gemütlich über die Felder laufen, und die Vertrautheit des allgäuerischen Dialekts. Und doch bei aller äußeren Idylle, spüre ich jedes Mal aufs Neue, dass ich einen Preis zahle, in diesen alten Strukturen Zeit zu verbringen und mich danach energetisch ausgelaugt fühle.

Ich habe in den letzten Jahren viel an innerer Präsenz und Selbstverantwortung gewonnen und doch spüre ich jedes Mal wieder, wie leicht ich mich in meinem alten Umfeld verliere, wie schnell ich wieder dabei bin, meine eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen und für meine Familienmitglieder zu funktionieren.

Die verlorene Energie des Rettertums

Es gibt nach wie vor einen Teil in mir, der bereit ist, in die Presche zu springen und versucht, einzelne Familienmitglieder aus ihrem selbst erschaffenen leidvollen Feld zu retten. Doch selbst, wenn ich mit aller Inbrust dort hineinspringen würde: Ich kann niemanden retten, ja es macht energetisch nicht einmal einen Unterschied, ob ich dort umher-rette oder nicht. Aus einem Gefühl der Ohnmacht, aus Sucht und Leid können Menschen sich nur selbst befreien, die Entscheidung liegt bei jedem Einzelnen. Wenn meine Familienmitglieder sich gegen Eigenverantwortung und Heilung entscheiden, ist das ihr gutes Recht- und es ist meines, meinen eigenen Weg zu gehen und mich von diesen Muster zu verabschieden.

Es dient also wirklich NIEMANDEM und trotzdem zahle ich einen hohen Preis dafür, denn ich bleibe ausgelaugt und hoffnungslos zurück, wenn ich ins Feld springe, um Erste-Hilfe zu leisten. Ich zahle mit meiner Lebenskraft, dem wertvollsten Gut, das ich habe und verliere somit auch jegliche Kreativität und Schöpferkraft.

Das heißt natürlich nicht, dass wir einander nicht helfen sollen, dass es nicht wunderschön ist, füreinander da zu sein. Das heißt vielmehr, dass es sehr genau gilt hinzuschauen, wem ich da helfe:

Ist dieser Mensch empfänglich dafür oder nicht? Möchte dieser Mensch sein Leid verlassen oder nicht? Kommt Energie zurück oder ist es eine lebenslängliche Einbahnstraße?

Eine andere Frage ist auch: Warum möchte ich die Menschen in diesem Feld überhaupt retten?

Denn hinter dem Bedürfnis zu helfen, steckt oft noch ein anderes eigenes Bedürfnis. In meinem Fall ist es die Sehnsucht meines inneren Kindes, dass doch noch irgendwie alles gut wird, dass es eines Tages (wenn die anderen erst ordentlich versorgt sind) doch noch bekommt, was es braucht. Heute bin ich erwachsen und weiß: Der eigene gesunden Weg, den es gibt, ist es mir diese Bedürfnisse selbst zu erfüllen und so auch Menschen in mein Leben zu ziehen, mit denen ich Zugehörigkeit, Geborgenheit und Liebe teilen kann.

Wie merke ich, dass ich in alte Muster zurück gefallen bin?

Es gibt einige Merkmale, mit denen du erkennen kannst, dass du aus deiner Mitte gerutscht bist und die dir sozusagen die „rote“ Karte zeigen, zurück in deine Selbst-Fürsorge zu kommen. Bei mir passiert Folgendes:

  • Ich nehme mir wenig Zeit, mich bewusst anzubinden, zu meditieren, zu schreiben
  • Ich esse zu viel Schweres und zuckerhaltig, bin „übervoll“ und bewege mich weniger
  • Ich orientiere mich stark an den Bedürfnissen der Anderen und an einer Stimme, die sagt: „Ach komm schon, das schaffst du schon noch!“
  • Ich verliere meine Klarheit und Kraft, meine Gedanken werden schnell und sorgenvoll, ich verschwimme in meinen alten Gefühlen des Dramas
  • Meine eigenen Bedürfnisse und Ziele verschwimmen im Hintergrund
  • Ich brauche andere, die mich wieder aufbauen

Für mich hat Co-Abhängigkeit viel mit „verschwimmen“ zu tun: Ein Verschwimmen der eigenen Grenzen, des eigenen Selbst, der eigenen und der fremden Bedürfnisse, ein Wegschwimmen der inneren Kraft. Da dieses Muster so früh in unserem Leben entsteht, dadurch, dass wir uns als Kind nach den Eltern ausrichten, um unser eigenes Überleben zu sichern, ist es tief in unserem Gehirn und unseren Zellen eingespeichert. Deswegen ist wie bei jeder „Sucht“ die Rückfallgefahr sehr groß und es braucht hier viel Achtsamkeit und auch Disziplin.

Wenn es für dich ebenfalls herausfordernd ist, wenn du in deiner alten Heimat bist oder mit deinen Eltern zusammen bist: Das hat nichts damit zu tun, dass du „noch nicht weit genug bist“ oder noch nicht genug „vergeben“ hast.

Dein zartes sensitives Wesen braucht ganz einfach viel Schutz und ein passendes Umfeld (wie eine zarte Pflanze eben auch) und reagiert bei ungesunden Strukturen sehr fein. 
Ich erlaube mir, mein Umfeld selbst zu wählen.

Komme ich zurück nach Berlin, spüre ich wie es weit in mir wird, wie gut es tut, wieder in „meinem“ zu sein- und wie wichtig dieser Abstand ist, um weiter zu heilen, um klar zu erkennen, um zu spüren, wohin es für mich geht.

Berlin hat mich als meine neue Heimat aufgenommen und immer wieder wird mir klar, wie wichtig diese 700 Kilometer die letzten acht Jahre für meine Heilung waren.

Für mich spürt es sich so an, dass dieser räumliche Abstand, gerade bei Menschen mit starken Co-Abhängigkeiten wirklich die Rettung sein kann.

Räumlicher Abstand gibt auch innerlich jenen Raum, den es braucht, um Stück für Stück in das eigene Spüren zu kommen und den eigenen Weg wirklich zu erkennen. Ist dieser räumliche Abstand nicht gegeben, ist es eine noch größere Aufgabe, in aller Konsequenz (sprich: zu lernen die eigenen Schuldgefühle auszuhalten) Grenzen zu setzen, Bedürfnisse zu kommunizieren- auch, wenn das Umfeld diese erst einmal nicht akzeptieren mag.

Wir dürfen uns selbst erlauben, dort zu sein, wo es uns gut geht, wo unsere Seele in Einklang schwingt, wo Menschen sind, mit denen wir in Resonanz gehen und Freude erleben, wo wir Raum haben, uns zu entfalten.

Die eigene Heimat, Geborgenheit und Sicherheit in uns selbst zu finden, ist für mich die Basis von einem erfüllten Leben.

Diese innere Heimat entfaltet sich dadurch, dass Traumata, Verstrickungen, alte Gefühle und irrtümliche Glaubenssätze integriert bzw. gelöst werden. Das äußere Umfeld, kann diesen Prozess begünstigen oder erschweren, mit Sicherheit ist es nicht gleichgültig wo man ist.

Wir dürfen uns erlauben, genau jenen Abstand zu unserer Herkunft und auch zu unseren Eltern einzunehmen, den wir brauchen und müssen nicht länger aus Schuldgefühlen handeln und dafür mit unserer Energie bezahlen. Es braucht keinen radikalen Kontaktabbruch zu der alten Heimat und den Eltern (und gleichzeitig darf es ihn geben). Doch wir dürfen uns erlauben sehr genau hinzuspüren: Wie viel Kontakt tut MIR gut? (NICHT: Wie viel Kontakt will jemand von mir?).

Das Leben möchte keinen Zerfall, es möchte erblühen und wachsen und somit dürfen wir uns so ausrichten, dass wir erblühen und nicht anscheinend für andere in uns zusammenfallen. Wenn das innere Kind den Verlust der Kindheitsheimat betrauert, dürfen wir dem Raum geben, dürfen wir auch um den Verlust trauern, dass es nie so war, wie wir es gebraucht hätten- und uns gleichzeitig erlauben, unser ganz eigenes in uns und im Außen aufzubauen.

Gerne begleite ich dich in meinen Healing Sessions dabei, dein Inneres wieder kraftvoll wahrzunehmen und dein Äußeres nach DEINEN Bedürfnissen und Wünschen zu gestalten.

Von Herzen

Deine

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Du hast Interesse an einer transformierenden und kraftvollen Coachingbegleitung? Schreib mir gerne eine Nachricht für nähere Infos, ich freue mich auf Dich.

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