Angst vor Nähe- Teil 1: Eine Bestandsaufnahme

Sehnst du dich nach mehr Nähe in deinem Leben? Danach deine Beziehungen wirklich stimmig, erfüllt und auf Augenhöhe zu führen? Hast du es satt, dir die immer gleichen Beziehungsstorys reinzuziehen und möchtest du dich für neue Erfahrungen öffnen? Fragst du dich, wie es sein kann, dass Partner sich nicht ganz auf dich einlassen- oder du dich nicht? Dann lade ich dich jetzt ein, mit mir nach innen zu tauchen, dort, wo der Ursprung deiner äußeren Erfahrungen liegt. Dort, wo du heilen darfst, was dir noch im Weg steht. In vielen Fällen sind deine Schwierigkeiten in Beziehungen eng mit deiner Angst vor Nähe verknüpft, die auf subtile oder sehr offensichtliche Art und Weise verhindert, dass du dich im Kontakt mit anderen voll und ganz leben und zeigen kannst.
Zu Beginn:

Wenn dich dieses Thema gerade ansprichst, hast du dich bestimmt schon mal gefragt, ob du das vielleicht einfach nicht kannst, dieses Nähedings. Ich habe mich das in meiner Vergangenheit bestimmt schon tausendmal gefragt und deshalb hier in aller Deutlichkeit:

Ja, du kannst Nähe. Ja, du kannst Beziehung. Ja „Generation Beziehungsunfähig“ ist ein Buchtitel, aber keine Diagnose. Ganz einfach, weil du als Mensch ein Beziehungswesen bist und, weil du als hochsensitiver Mensch die Gabe hast, wirklich tief mit einem Menschen zu tauchen (und dann eben die Kunst: dabei bei dir zu bleiben) und dich wirklich zu verbinden. Ich glaube, dass es für viele von uns genau um diese Seelen-Lernaufgabe: mit Haut und Haar zu lernen, authentisch, wahrhaftig und frei in Beziehung zu sein und so Freiheit und Verbindung miteinander zu verbinden.

Schritt Nummer 1: Deine Angst entlarven

In meinem Forschen, warum Menschen unsichere Beziehungskonstellationen leben, die sie „eigentlich“ gar nicht wollen (unbewusst ja schon, sonst wären sie nicht so da ;)) liegt darin, dass hier ein starkes Spannungsfeld zwischen der Vermeidung von Nähe und einer unfassbar großen Sehnsucht danach, vorherrscht. Diese innere Ambivalenz spiegelt sich im Außen in den verschiedensten Beziehungserfahrungen, ganz besonders im Bereich der Partnerschaften.

Zum Beispiel durch

  • langes unfreiwilliges „Singledasein“
  • sich in vergebene Partner oder Partner, die nicht wirklich erreichbar sind, verlieben
  • Partner anziehen, die sich nicht einlassen wollen (oder du, die sich nicht einlassen möchte)
  • wiederkehrende aufflammende Begegnungen, die sich nach kurzer Zeit im Sande verlaufen

Ich kenne diese Spiele in all seinen Facetten und habe mich in meinen Zwanzigern verzweifelt gefragt, was das denn mit mir zu tun hat. Schließlich wünschte ich mir doch Beziehung und hatte das Bedürfnis, mich auf einen Menschen einzulassen. Inzwischen verstehe ich, dass sich hier eine innere Ambivalenz aus zwanghafter Unabhängigkeit und hungriger Bedürftigkeit gezeigt hat. In diesem Pendelspiel aus „Komm mir ja nicht zu nahe!“ und einem kindlichen „Rette mich und verlasse mich niemals!“ ist es nicht möglich, eine stabile, erwachsene Bindung aufzubauen. Stattdessen kommt es dann zu diesen Spielchen, die wir alle so gut kennen und satthaben. Und das dürfen wir auch. Denn es warten noch so viel erfüllendere Erfahrungen auf uns ;).

Du bist gefragt!

Nimm dir einen Moment Zeit und notiere dir die Antworten zu folgenden Fragen:

  • Welche Beziehungsmuster zeigen sich bei mir immer wieder?
  • Wo in deinem Leben nimmst du deinen Drang zu Unabhängigkeit wahr und, wo deine Bedürftigkeit? 
Schritt Nummer 2: Deine Angst verstehen lernen

Natürlich der Klassiker: Unsere Beziehungsmechanismen prägen sich maßgeblich in unserer Kindheit, gewisse innere Überzeugungen übernehmen wir auch von unseren Eltern und Ahn*innen. Es kann sein, dass wir uns als Kind nicht gesehen gefühlt haben, dass wir uns nicht geliebt gefühlt haben, dass wir einen Verlust erleben mussten, dass wir energetisch für unsere Eltern einspringen mussten, dass wir über die Maßen Verantwortung übernehmen mussten.

Welche Muster zieht das nach sich?
  • Du trägst eine klaffende Selbstwertwunde in dir, hast das Gefühl nicht gesehen zu sein, nicht wichtig zu sein. Das kann sich äußern in Glaubenssätzen wie: „Ich bin nicht gut genug, dass sich jemand auf mich einlässt. Ich bin es nicht wert, geliebt zu sein. Etwas stimmt mit mir nicht. Ich bin zu kompliziert und nicht liebenswert. Nähe ist für mich nicht möglich.“ Wodurch sich diese Wunde stark zeigt, ist in einem Gefühl der Unlebendigkeit, einer Ohnmacht, dem Gefühl gefangen zu sein.
  • Du hast Angst, deinen Raum wieder zu verlieren: Vielleicht musstest du in deinem Leben früh Verantwortung für deine Eltern und Geschwister übernehmen, hast dir nun ein selbstbestimmtes Leben aufgebaut und hast höllische Angst, dieses wieder zu verlieren und dich selbst aufgeben zu müssen, wenn ein Partner in dein Leben kommt.
  • Du trägst eine ungestillte Bedürftigkeit in dir: Du hast dich in deiner Kindheit nicht bedingungslos geliebt und angenommen gefühlt und so pocht ein Teil in dir darauf, dieses Gefühl endlich doch noch im Außen zu bekommen.
  • Du opferst dich auf, um Liebe zu bekommen: Du hast die Erfahrung gemacht, dass du da sein darfst, wenn du dich anstrengst, lustig und nett bist. Von Außen kann es aussehen, als wärst du ganz nah, du gibst ja, bist ja in Beziehung. Doch dieses ständige Gefühl geben zu müssen, den anderen retten zu müssen, da sein zu müssen, verhindert Nähe, denn es ist ein Konstrukt, das hier handelt, und hinter, dem du dich verstecken kannst.
  • In Verlustangst: Ich habe relativ früh in meinem Leben in einen tiefen Verlust erlebt, der mich innerlich wirklich umgehauen hat (äußerlich nicht, dazu habe ich zu gut funktioniert). Einen Menschen sehr nah an uns heranzulassen, stellt ein Risiko dar, das ist einfach so, gerade, wenn wir genau gut wissen, was es bedeutet einen tiefen Verlust zu erleben.

All diese Aspekte verhindern Nähe, stellen sich wie dicke Mauern zwischen dich und dein Gegenüber, wenn sie nicht liebevoll integriert werden.

Was ich dir damit sagen möchte: Du hast deine Angst nicht zum Spass und du hast wirklich gute Gründe, um in die Vermeidung von Nähe zu gehen. Du darfst also hier und jetzt damit aufhören, dich dafür zu verurteilen. Du bist nicht schuld, nichts an dir ist falsch oder zu viel oder zu wenig. Du bist zutiefst liebenswert und es absolut wert, mit dir in Beziehung zu sein.

Lass all dein Mitgefühl fließen: Dafür, dass dein Erlebtes war wie es war, für die Enttäuschungen und Ablehnung, die du erfahren hast, vor allem, aber auch für deine Selbstverurteilung, deine tiefe Scham, dein Gefühl der Unzulänglichkeit. 

Du bist gefragt:

Forsche einmal in dir:

  • Welche Glaubenssätze hast du über dich zum Thema Nähe und Beziehung?
  • Wo in deiner Kindheit hast du einen Mangel an Liebe und Aufmerksamkeit erlebt, wo hattest du das Gefühl „in Liebe zu ersticken“?

Was sich hier deutlich zeigt: Deine Angst vor Nähe ist vor allem ein Thema deines inneren Kindes. Es sind all die vergangenen Verletzungen, die immer weiter wirken, wenn sie nicht verarztet und geheilt werden. Sprich: Deine Erfahrungen, werden sich immer wiederholen, wenn du nicht beginnst, die Selbstverantwortung für dich zu übernehmen. Denn deine Kindheit ist vorbei, du bist erwachsen und darfst nun für dich selbst sorgen. Die Heilung vergangener Wunden, ein Reset des Glaubenssystems und die Verankerung in der Selbstfürsorge sind die Grundlagen für erfüllte Beziehungen. Darüber schreibe ich im zweiten Teil meines Artikels, der nächstes Wochenende erscheint und auf den du dich schon freuen darfst.

Lass es dir gut gehen und sei gut mit dir.

Von Herzen

deine

assinatura

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s