Ein Körper: drei Perspektiven

Letze Woche in meinem Urlaub in Marokko sehe ich mich morgens im Spiegel an und fühle mich wunderschön: meine Augen strahlen, der bunt-blumige Jumpsuit umspielt meinen Körper und ich leuchte von Innen heraus. Ich fühle mich offen und präsent. Nur ein paar Tage später in Berlin, fühle ich mich grau wie eine Maus, unförmig und energielos und möchte mich am liebsten verstecken. Ich spüre deutlich, mich in meinem Körper wohlzufühlen oder nicht, ist keine Frage von Oberflächlichkeit. Es ist eine wesentliche Frage von: Traue ich mich in die Welt hinaus und zeige ich mir ihr oder verstecke ich mich davor, in der Angst vor Unzulänglichkeit. Ich möchte für mich die erste Variante wählen und bitte darum die großen Drei meines Lebens um Stellungnahme: Mein Ego, meine innere Frau und mein höheres Selbst.
Das Ego

Ich hau die Karten auf den Tisch: Ich hätte gerne einen anderen Körper. Ich hätte gerne einen Körper, bei dem Männer sich in mich schockverlieben und die Frauen verstohlen blicken vor Bewunderung. Ich hätte gerne einen Körper, der mich magnetisch, unwiderstehlich anziehend macht und mich, das Ego, am laufenden Band streichelt.

Ich kann nicht viel damit anfangen, einen „normalen“ Körper zu haben. „Normal“ verunsichert mich, denn: Ist normal genug?

Mich nervt es, dass ich (eigentlich) noch schlanker sein könnte, aber zu träge vs. zu genussliebend bin, dafür mal eine ordentliche Diät durchzuziehen. Mich nervt dieses Gefühl der Unzulänglichkeit, das ich in mir trage seit ich ein Kind bin. Im Kindergarten habe ich mich dafür geschämt, wenn die Schaukel auf meiner Seite runterkippte, weil ich schwerer war als meine zierliche beste Freundin Sarah. Im Tenniealter habe ich gelitten, weil ich mopsig war und eine Zahnspange trug und meine Freundinnen vollbusiger als ich waren. Als Erwachsene schwanke ich zwischen einem „Ich bin gut okay so wie ich bin“ (gelassene Neutralität), „FUCK, so sehe ich aus?!“ (Scham und Verachtung) und einem dankbaren:“Wow, aus mir ist echt was geworden.“(Freude und Selbstbewusstsein). Ganz ehrlich: In dieser Verwirrung weiß ich oft gar nicht, ob ich mich nun schön finde oder nicht.

Immer, wenn ich denke, „das Körperthema“ ist vom Tisch, ist es doch nicht vom Tisch. Da muss ich nur hören, wie jemand zu jemand sagt „Hast du abgenommen?“ und ich denke doch wieder über eine Diät nach. Weil: ich hab auch Bock auf Aufmerksamkeit und irgenwo ist da doch noch die Hoffnung, dann ein Stück mehr vom Liebes-Kuchen abzubekommen, wenn ich „abgenommen habe“. So also ist das mit mir und dem Körper: Eine Neverendingstory.

Vielleicht hilft hier nur: das Ego entlarven als das wie es ist: ein Angsthase und Schwarzmaler, dessen Lösung stets lautet: „Sei wie alle anderen bzw. „besser““ und das Geschwätz im Kopf nicht mehr allzu ernst zu nehmen. 
Die innere Frau

Ich liebe diesen Körper. Ich liebe ihn, weil er rund und weich, fest und kraftvoll ist.

Ich liebe ihn, weil ich mit ihm schmecken, tasten, sehen, riechen kann: den Geschmack von leckerem Essen, von Waldluft, Haut unter meinen Händen, eine innige Umarmung, Buchstaben, die zu Wissen werden, die Vollkommenheit von Natur.

Weil ich mich mit ihm wild und sanft bewegen kann, laufen, radfahren, tanzen kann.

Ich liebe ihn, weil ich durch ihn Welten in mir bewegen kann, weil ich mich in ihm spüre: Meine Empfindungen, meine Gefühle, meine Intuition.

Ich liebe ihn, weil ich mit ihm die Welt erfahren kann, mich als Frau erfahren kann. Weil ich durch ihn, für mich selbst und andere sorgen, mit meinen Händen Neues schaffen kann.

Weil ich mit ihm einen Mann in mir aufnehmen und mich mit ihm tief verbinden kann. Wilden, hingebungsvoll, zärtlichen, versauten Sex haben kann und alles in mir pulsiert.

Ich liebe ihn, weil es durch meinen Körper möglich ist, das Neue zu gebären und zu schöpfen, ja neues Leben, ein Kind, Projekte, die meinem Herzen entspringen.

Ich liebe die Sommersprossen, das kleine Grübchen, die rotblonden Haare, die sanften Lippen, die kräftigen Beine, die weichen Busen.

Und gleichzeitig spüre ich: Die Liebe zu meinem Körper ist unabhängig von Aussehen, von Alter, von Anerkennung, Raunen und Pfeiffen. All das ist mir schnurzegal. Meine Liebe kommt von Innen heraus, aus einem Raum in meinem Schoß, von dort aus wirkt sie sicher und unantastbar.

Ich liebe meinen Körper, denn durch ihn erfahre ich Nähe, Geborgenheit, Wohlgefühl, Miteinander. In mir selbst und im Sein mit Anderen.

Meine Liebe, ich gebe dir einen Rat: Drück das Ego auf „Reset“ und beginne voller Genuss, Hingabe und Lebendigkeit diesen Körper zu bewohnen, zu leben und voller Inbrust zu lieben!
Das höhere Selbst

Bitte sieh es mir nach, wenn ich heute einmal einen strengeren Ton an den Tag lege, du weißt, du bist tief geliebt, und auch eine klare Sprache ist Liebe.

Dein Körper  ist der Grund, warum du hier auf der Erde bist, ohne ihn wärst du nicht da (und darum spare dir bitte Sprüche wie „Ich bin nicht von dieser Welt“, denn dann würdest du in anderer Energieform, z.B. als Engel existieren, aber nicht als der handfester Mensch, der du nun mal bist.).

Dein Körper ist deine Eintrittskarte ins Leben. Er ist dein Fahrzeug, welches dir zur Verfügung gestellt wurde, um jene Erfahrungen zu machen, die jetzt anstehen und durch dich gemacht werden wollen. Ich denke es erklärt sich von selbst, dass es totaler Quatsch und Energieverschwendung ist, dir zu wünschen, du könntest ihn umtauschen.

Ich sehe das so: Ihr Menschen habt verlernt, die Natur zu schätzen und euch vor ihr zu verneigen und so passiert es auch mit eurem Körper. Er wird mit boshaftem Geschwätz, zu viel und schlechter Nahrung, Alkohol und Drogen, einer ständigen Berauschung, unstimmigen Sex, einem zu viel oder zu wenig an körperlicher Betätigung, vergiftet und verdreckt. (Und damit meine ich jetzt nicht nur dich, ja ich weiß, du gibst dir Mühe, damit meine ich euren ganzen Schlag und das musste ich jetzt mal loswerden.)

Sieh es doch mal so:

Durch ihn sammelst du jene Erfahrungen, die dich reifen und lernen lassen. Durch ihn triffst du Menschen, gehst an Orte, tust Dinge und dringst so immer tiefer zu deinem Kern durch. Öffnest dich so immer weiter der Energie der Liebe und Freiheit.

Durch ihn bist du in der Lage deine Gefühle, Gedanken und Erinnerungen zu transfomieren und so wahrhaftig zu HEILEN.

Durch ihn wirst du zum Schöpfer deines Lebens, ja zum Mit-Schöpfer dieser Welt. Werden deine Gedanken, Ideen, Visionen und Träume zu Materie.

Durch ihn spürst Du, was für Dich richtig ist und was nicht, er weist Dir den Weg. Er ist das feinste und zuverlässigste Messgerät der Welt. Wo er sich wohl fühlt, wird es Dir gut gehen, kannst Du dich entfalten. Er sagt dir sogar, wenn du vom Weg abgekommen ist, indem er dir feine oder auch sehr radikale Botschaften schickt.

Durch ihn entscheidet sich, wann deine Zeit auf der Erde abgelaufen ist.

Ich kann dir also nur den klugen Ratschlag mit auf den Weg geben: Verbünde dich mit ihm, achte ihn, genauso wie er ist, und wage Dich mit entschlossenen Schritten in die Erfahrung des Abenteuer Lebens.

 

Was also schließe ich daraus? Das Ego verwirrt und stresst mich (das ist nichts Neues, so tickt es nun Mal), meine innere Frau und die Stimme meines Höheren Selbst geben mir stattdessen Kraft und machen mir Mut, mit allen Sinnen und aus ganzem Herzen meinen Weg zu gehen. Ich bin frei zu wählen, welchen Energien und Kräften ich das Ruder in meinem Leben überlasse und, welche ich noch weiter runtertunen darf. Denn meine Beziehung mit meinem Körper sollte meinem Leben dienen- und mich nicht davon abhalten.

Wie geht es Dir? Wie ist deine Beziehung zu deinem Körper? Und welche Kraft ist hier dominant? Teile deine Erfahrungen gerne mit mir und uns. Ich freue mich, wenn ich dich inspirieren durfe.

Von Herzen

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